Prof. Jan Söffner: 2046: Ein Jahr nach der technologischen Singularität | Die Zeit danach - Ringvorlesung
Shownotes
Nachdem 2012 – trotz aller echten und vermeintlichen Maya-Prophezeiungen – recht unspektakulär verlaufen ist, gewinnt derzeit das Jahr 2045 zunehmend an Strahlkraft: Es ist das Jahr, auf das Ray Kurzweil vor 20 Jahren die technologische Singularität datierte, das Jahr, an dem die Biologie als Träger der Information endlich ausgedient hat, Künstliche Intelligenz auf keinerlei menschliche Zutaten mehr angewiesen ist, sich selbst in immer schnellerem Rhythmus neu erschafft und die exponentielle Steigerungskurve der digitalen Technologie so steil wird, dass sie uns vertikal erscheint: Von einem Moment auf den anderen wird 2045 die Welt nicht mehr die Welt sein, sondern ein selbsterleuchtetes Universum. Die Prophezeiung ist einer Prognose gewichen, der Kalender einer Berechnung nach dem Moore’schen Gesetz, die Magie der Maya der Magie einer übersteigerten Rationalität – aber der Endpunkt bleibt.
Wie sieht das Danach aus? Was kommt 2046? Egal, ob die Singularität 2045 stattfinden wird oder nicht; ob sie sich davor, danach, als tatsächliche Erleuchtung oder vielmehr als exponentiell außer Kontrolle geratene Übersteigerung von KI-Bullshit und technischen Fehlern ereignet: Symptome einer überlegenen und nicht mehr biologischen Intelligenz beschäftigen uns bereits 2026. Anders als 2012, bahnt 2045 sich allmählich an, und anders als 2012, das man verwendete, um unangenehme Gedanken an ein 2013 auszublenden, stellt sich die Frage, was nach der Singularität kommt, bereits jetzt: 2046 hat schon begonnen.
Fotos und Aufzeichnung: Leonard Pomränke
Eine Vorlesung im Rahmen der vom artsprogram und vom Arts & Humanities Lab veranstalteten Ringvorlesung zum Jahresthema „ Die Zeit danach“
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